
Der ETV Hamburg versuchte noch einmal alles: Die Hanseaten nahmen im Finale um den deutschen Floorball-Pokal in der Schlussphase sogar den Torhüter heraus, um einen zusätzlichen Feldspieler auf die Platte bringen zu können. Der Druck auf den UHC Weißenfels sollte dadurch erhöht werden. Doch in der verbleibenden Zeit gelang dem ETV kein Treffer mehr – weil der UHC den knappen Vorsprung clever über die Zeit brachte. Mit 5:4 entschied Weißenfels ein überaus spannendes Endspiel für sich.
Danach durften die vom Finnen Marko Ollonqvist trainierten Weißenfelser ausgelassen jubeln: Bereits zum zwölften Mal sicherte sich der UHC Weißenfels am vergangenen Sonntag in Zwickau den deutschen Floorball-Pokal. In dem dort ausgetragenen Final-Four-Turnier war Titelverteidiger Chemnitz einen Tag zuvor im Halbfinale knapp am ETV Hamburg gescheitert. Erst im Penaltyschießen konnten sich die Hamburger durchsetzen.
Leistungsträger fehlten
Der UHC bekam es in seinem Halbfinale mit dem Überraschungs-Team aus Ebersgöns zu tun. Gegen den Zweitligisten aus Hessen setzte sich Weißenfels souverän mit 12:2 durch. Der TSV Ebersgöns war mit dem Tempo des Bundesligisten etwas überfordert. „Das war vielleicht ein kleiner Vorteil für uns“, meinte UHC-Spieler Phillip Weigelt zu der Tatsache, dass die Weißenfelser fürs Halbfinale den absoluten Außenseiter zugelost bekommen hatten. Die eigenen Reserven konnte der UHC dadurch ein bisschen schonen – und einen Tag später einen konzentrierten Auftritt im Finale zeigen.
Etwas ersatzgeschwächt war der UHC Weißenfels ins Turnier gegangen. Beispielsweise hatte mit Sascha Herlt ein Leistungsträger verletzungsbedingt nicht spielen können. Herlt war dennoch mit nach Zwickau gereist, um das Team vor Ort zumindest moralisch zu unterstützen.
Mit zwei Reihen hatten die UHC-Spieler die Mission Pokalsieg in Angriff genommen. Punktuell wurde gewechselt – vor allem auch auf den Außenbahnen. „Es war eine von Taktik geprägte Partie“, erwähnte Phillip Weigelt. Das hatte seinen Grund: Anders als im Kampf um die deutsche Meisterschaft wird im Pokal nur eine Finalpartie gespielt. Einen Fehlstart wollten beide Konkurrenten daher unbedingt vermeiden.
Den besseren Start erwischte der UHC: Nach fünf Minuten erzielte der Lette Jekabs Keiss das erste Tor. Hamburg glich danach aus. Doch Jonas Hoffmann brachte den UHC noch im ersten Drittel wieder in Führung. Derart torreich wie der erste verlief der zweite Durchgang dann nicht. Es gab nur einen Treffer und den erzielten die Hamburger. Beim Zwischenstand von 2:2 ging es also in den entscheidenden dritten Abschnitt.
Last-Minute-Entscheidung
Kurz nachdem das letzte Drittel begonnen hatte, ging der ETV erstmals in Führung. Henri Kukkonen glich für Weißenfels zwischenzeitlich aus, doch Hamburg legte wenig später erneut vor. Die Zeit wurde knapper und die Nervenanspannung wurde auch bei den mitgereisten UHC-Fans immer größer. Phillip Weigelt brachte knapp fünf Minuten vor Schluss durch den erneuten Ausgleich etwas Erleichterung. Und Kristers Babris drehte dann knapp eine Minute vor Schluss mit dem letzten Treffer der Partie das Spiel.
Vor allem die Überzahlsituationen hatten in der umkämpften Partie sowohl die Weißenfelser als auch die Hamburger für Tore nutzen können. Die Zuschauer kamen auf ihre Kosten. „Es waren mehr als 1.400 Leute in der Halle“, erwähnte Phillip Weigelt. Zwickau, das das Turnier erstmals ausrichten durfte, bot eine gute Bühne für diesen wichtigen Wettbewerb.
Für den UHC Weißenfels war der Pokalsieg bereits der zweite nationale Titel in der Saison. Vor wenigen Wochen hatten sich die Weißenfelser in einem spannenden Finale schon die Deutsche Meisterschaft gesichert – bereits die 17. Meisterschaft für den UHC. Nach mehreren Jahren Pause durften sich die Fans des UHC also wieder über den Gewinn des Doubles aus Meisterschaft und Pokal freuen.
Erstmals fand das Final-Four-Turnier nach Abschluss der Meisterschaft statt. „Das war ungewöhnlich“, sagte Phillip Weigelt und ergänzte: „Wir mussten in den drei Wochen nach den Play-offs noch einmal die Form und die Spannung aufbauen.“
Coach verlässt den Verein
Den Weißenfelsern gelang das eindrucksvoll. Entsprechend wurde das Double gefeiert. „Wer frei bekommen hat, hat mit in der Spielerwohngemeinschaft gefeiert“, verriet Phillip Weigelt. In besagter Wohngemeinschaft leben unter anderem die Finnen im UHC-Kader zusammen. Die ausländischen Spieler werden den UHC nach der Saison verlassen – was planmäßig der Fall sei. Auch die beiden starken Letten Jekabs Keiss und Kristers Babris kehren dem UHC den Rücken. Gleiches gilt für Chefcoach Marko Ollonqvist, der den UHC nach einer perfekten Saison ebenfalls verlassen wird.
Vier Jahre hatte der Finne mitgeholfen, die Weißenfelser an der nationalen Spitze zu halten und spielerisch voranzubringen. Es werde bereits jetzt mit möglichen Neuverpflichtungen Kontakte geben, erwähnte Phillip Weigelt. In den kommenden Wochen ist für die erfolgreichen Floorballer aus dem Burgenlandkreis zunächst eine Erholungspause vom Leistungssport angesagt. Im September wird der UHC Weißenfels in die neue Saison starten und dann erneut nach dem Titel jagen.