VON NICO GRÜNKE*
In der Playoff-Halbfinalserie lieferten sich die Männer vom UHC Weißenfels und die Floorfighters aus Chemnitz am Sonntagnachmittag (23. März) einen großen Kampf. Es war bereits das vierte Duell.
Und das Finale um die deutsche Meisterschaft schien für die Gastgeber schon zum greifen nah. Die Mannschaft von Trainer Marko Ollonqvist hatte einen Tag zuvor an gleicher Stelle das dritte Duell beider Meisterschaftsaspiranten mit 5:3 für sich entschieden. Weil eine Woche zuvor von den beiden Partien in Chemnitz sowohl die Sachsen als auch der UHC jeweils eine gewinnen konnten, brauchten die Weißenfelser noch einen weiteren Erfolg, um sich im Modus Best-of-Five durchzusetzen.
Am Sonntag sorgten die UHC-Herren gleich für viel Euphorie bei den eigenen Fans. Die Halle war mit mehr als 300 Zuschauern gut gefüllt. Die Stimmung war super. Nach dem ersten Drittel führten die Gastgeber bereits mit 4:1 - Jekabs Keiss, Kristers Babris, Niklas Blanke sowie Stephan Kosthrun hatten für Weißenfels getroffen. Chemnitz war die Nervosität anzumerken. Das beste Team der Hauptrunde spürte offenbar den enormen Druck. Die Floorfighters, die in der vorigen Saison erstmals Pokalsieger wurden, streben nach einer starken Saison ihren ersten Meistertitel an.
Mit dem Rücken zur Wand schafften es die Gäste dann doch noch, irgendwie den sprichwörtlichen Schalter umzulegen: Innerhalb von nur zehn Minuten drehte Chemnitz im zweiten Abschnitt die Partie. Bei den Gastgebern hingegen war vom guten Auftritt im ersten Durchgang nicht mehr viel zu sehen.
„Im zweiten Drittel hatte Chemnitz gefühlt 80 Prozent Ballbesitz“, sagte UHC-Kapitän Tim Böttcher. „Sie haben in der Phase gut rotiert“, ergänzte er. Damit war gemeint, dass die Floorfighters von ihrer davor gezeigten Strategie abwichen. Die Gäste tauschen jetzt häufiger die Positionen. Das machte den Weißenfelsern zu schaffen. Ollonqvists Spieler bekamen kaum noch Zugriff und brauchten eine Weile, um sich an die geänderten Umstände anzupassen.
Trotz des eher schwachen zweiten Drittels aus Sicht der Gastgeber betrug der Rückstand vor dem entscheidenden Durchgang lediglich ein Tor. Doch den besseren Start ins letzte Drittel erwischte dann wiederum Chemnitz.
Magnus-Ernst-Scholz baute den Vorsprung der Floorfighters erstmals auf zwei Tore aus. Kristers Babris verkürzte knapp zehn Minuten vor Schluss wieder auf einen Treffer. Kurz darauf traf erneut Chemnitz, doch Weißenfels konnte durch Stepan Kosthrun erneut den Anschluss schaffen - 6:7 hieß es. Und es waren zu dem Zeitpunkt immerhin noch mehr als sieben Minuten zu spielen. Innerhalb von rund drei Minuten waren die letzten beiden Treffer für Weißenfelser gefallen.
Den Faden verloren
Eine torreiche Schlussphase schien sich anzubahnen. Darauf hofften auch die mitfiebernden UHC-Fans. Doch was die UHC-Männer dann auch versuchten: Chemnitz schaffte es, das eigene Tor regelrecht zu vernageln. Auch aus der Distanz suchten die aufopferungsvoll kämpfenden Gastgeber den Torerfolg. Aber die Abschlüsse wie beispielsweise von Sascha Herlt oder auch Phillip Weigelt verfehlten ihr Ziel.
Es blieb beim ernüchternden 6:7. Chemnitz hatte das Ausscheiden vor allem dank eines starken zweiten Drittels abwenden können. Entsprechend groß war der Jubel bei den Gästen und deren zahlreich mitgereisten Fans. Beim UHC Weißenfels herrschte dagegen Enttäuschung.
Nachdem die Weißenfelser das erste Duell am vorigen Wochenende verloren hatten, präsentierte sich der Rekordmeister in den folgenden beiden Duellen als das reifere sowie als das effizientere Team. Der Trend ging also in Richtung Weißenfels. Doch Chemnitz mobilisierte nochmal erfolgreich sämtliche Kräfte. „Wir haben einfach den Faden verloren“, so Böttcher. Was im Detail dann auf einmal nicht mehr funktioniert hatte, soll das Videostudium am Mittwoch vor Augen führen. Chemnitz sei bislang der erwartet schwere Gegner gewesen. „Aber die Niederlage lag sicher mehr an unserem zwischenzeitlich schwachen Spiel“, sagte Tim Böttcher.
Das heißt aber auch, dass die Weißenfelser durchaus das Zeug haben, im entscheidenden fünften Duell mit Chemnitz wieder in die Erfolgsspur zu finden. Allerdings wird die wichtigste Partie der bisherigen Saison dann bei den Floorfighters über die Bühne gehen. „Ich glaube, die bisherigen Spiele gegen Chemnitz haben beide Teams richtig geschlaucht“, sagte Tim Böttcher.
Jetzt wollen sich die Weißenfelser regenerieren und vor allem auch den Kopf frei bekommen. „Wir haken die Niederlage ab und schauen nach vorn“, betonte der UHC-Kapitän.
*Nico Grünke ist freiberuflicher Journalist. Sein Beitrag erschien am 25. März 2025 in der Mitteldeutschen Zeitung Weißenfels